Gero, mein Lehrmeister

Nachdem unsere Yorkshire Hündin Daisy verstorben war zog relativ bald Mittelspitz Gero bei uns ein.

Er war damals 15 Monate alt und kam aus sehr schlechter Haltung.

Er kannte rein gar nichts, weder an der Leine gehen, noch war er Stubenrein. Er war einfach nur ein Haufen voller Angst.

Warum Gero mein Lehrmeister ist? Weil er mich Geduld gelehrt hat. Vor Gero war ich ein furchtbar ungeduldiger Mensch, Gero lehrte mich das für ihn das allerwichtigste ist das Mensch mit ihm Geduld hat.

Nachdem er nach ca. 3 Monaten einigermaßen Leinenführig war wollte ich um die Grundkommandos zu lernen und auch damit Gero mehr soziale Kontakte hat und lernt das nicht jeder Hund "bösartig" ist mit ihm auf den Hundeplatz.

Die ersten Monate übten wir die Grundkommandos in der Gruppe nach dem Augsburger Modell. Gero machte zwar kleine Fortschritte, aber ihm fehlte sichtlich der Spaß an der Sache. Auch in der Pause, die die Hunde immer auf einem eingezäunten Stück miteinander verbracht haben saß er die meiste Zeit direkt neben mir und es dauerte Wochen bis er sich dort mehr als einen Meter von mir entfernte.

Meine Trainerin schlug damals vor mit Gero neben dem Augsburger Modell noch Agility zu machen um die Bindung zu festigen und ihm mehr Selbstvertrauen zu geben. Ich bin ihr noch heute über alle Maße dankbar für diesen Vorschlag!

Auch hier war am Anfang alles erstmal furchterregend für den kleinen Gero. Andere Hunde gingen in ihrer ersten Stunde wie selbstverständlich über Steg und A Wand, bei Gero dauerte die Festigung der A Wand Monate, den Steg ist er das erste mal in voller Höhe nach einem Jahr (!) gegangen.

Aber man sah wie stolz er dort auf sich war, und alleine darauf kam es mir an. Auch hatte er am Anfang furchtbar Angst vor dem Tunnel, er dauerte Wochen bis er das erste mal durch den komplett zusammengezogenen Tunnel ging, weitere Monate bis er das erste mal durchden komplett ausgezogenen geraden Tunnel ging und beinah ein Jahr bis er das erste mal durch einen geknickten Tunnel ging.

Alle bewunderten mich für meine Geduld mit dem kleinen Kerl, aber da ich im Prinzip keinerlei Turnierambitionen hatte und habe war es mir egal wie "langsam" es vorwärts ging und ich freute mich über jeden Fortschritt von Gero und noch mehr erfreute ich mich darüber wie sein Selbstvertrauen wuchs und wuchs.

Irgendwann ging Gero dann alle Geräte, der Tunnel war mittlerweile sein absolutes Lieblingsgerät und es konnte schonmal sein das er 5mal durch den Tunnel rannte wenn dieser zu einem U gestellt war.

Irgendwann sind wir dann doch auf ein paar A0 Turnieren gestartet. Ich erinnere mich noch gut wie er bei seinem ersten A0 Turnier geradewegs über den Steg geschlichen ist, ich war nur stolz das er überhaupt trotz der fremden Umgebung drüber gegangen ist.

Ein Jahr später waren wir wieder auf dem selben Turnier, er ging noch immer nicht furchtbar schnell, aber schon flüssig und ziemlich zügig über den Steg - die Moderatorin erinnerte sich sogar an uns und lobte uns über das Mikrofon über die tollen Fortschritte - ich war selten so stolz auf meinen Hund.

Auch in der UO wurde Gero immer besser und selbstbewusster, er ist sozusagen soweit BH fertig. Die BH sind wir aber nie gelaufen weil Gero nach wie vor Angst hat (ordentlich) bei Fuß zu gehen, und als selbst Tricks wie Kräuterbutter ans Bein schmieren ihm diese Angst nicht nehmen konnten haben wir dann beschlossen die Prüfung nicht zu laufen, denn so wichtig war sie uns einfach nicht und ich wollte den kleinen nicht einschüchtern.

Trotzdem ich Gero ausgebildet habe war und ist meine Mutter immer seine absolute Bezugsperson, was auch der Grund ist das Gero bei meinen Eltern geblieben ist als ich auszog.

Im Januar 2011 feiert Gero seinen 10ten Geburtstag.

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